In den öffentlichen Haushalten nehmen Lohnsteuer und Umsatzsteuer die beiden größten Positionen der Steuereinnahmen ein. Ihr Stellenwert auf der Einnahmenseite des Staates ist von essenzieller Bedeutung.

Die Lohnsteuer charakterisiert eine besondere Erhebungsform der Einkommenssteuer. Schuldner der Lohnsteuer ist grundsätzlich der Arbeitnehmer, auf dessen nichtselbständige Tätigkeit die Lohnsteuer monatlich erhoben und durch den Arbeitgeber unmittelbar an das zuständige Finanzamt abgeführt wird. Aufgrund der jährlichen Einkommenssteuererklärung bzw. des Lohnsteuer-Jahresausgleichs entfaltet sich die Lohnsteuer als Steuervorauszahlung auf die Einkommenssteuer.

Rechtsgrundlage und Definitionen

Gemäß § 1 EStG unterliegen natürliche Personen, die ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Inland haben, zunächst der unbeschränkten Einkommenssteuerpflicht. Arbeitnehmer sind grundsätzlich natürliche Personen, die als Bezieher von Arbeitslohn entsprechende Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit (§ 19 EStG) erzielen. Die Einkommenssteuer wird laut gesetzlicher Definition in § 38 Abs. 1 EStG bei diesen Einkünften durch den Abzug vom Bruttoarbeitsentgelt erhoben und als Lohnsteuer bezeichnet. Im Rahmen der Anwendung und Durchführung des Lohnsteuerabzugs liefert die Lohnsteuer-Durchführungsverordnung (LStDV) konkrete Definitionen und Anweisungen. So erklärt § 1 LStDV die Begriffe von Arbeitnehmer und Arbeitgeber, § 2 LStDV den Arbeitslohn, fortführende Paragraphen schließlich die Aufzeichnungs- und Mitteilungspflichten. Nicht zu verwechseln sind die Begriffe Arbeitslohn und Arbeitsentgelt. Während der Begriff des Arbeitslohns im Lohnsteuerrecht geregelt wird, definiert das Sozialversicherungsrecht den Begriff Arbeitsentgelt gem. § 14 SGB IV.

Ausschlaggebend ist und bleibt jedoch das Einkommenssteuergesetz (EStG), das die Besteuerung unterschiedlicher Einkünfte, Einnahmen und Zuwendungen beim Arbeitnehmer rechtsverbindlich regelt.

Arbeitgeber- und Arbeitnehmerpflichten

Grundsätzliche wird die Lohnsteuer zwar vom Arbeitnehmer geschuldet (§ 38 Abs. 2 Satz 1 EStG), wird aber vom Arbeitgeber für Rechnung des Arbeitnehmers verpflichtend einbehalten (§ 38 Abs. 3 EStG) und innerhalb festgelegter Fristen an das Finanzamt abgeführt (§ 41a Abs. 1 EStG).

Der Arbeitgeber wird zur Durchführung und Kontrolle eines ordnungsgemäßen Lohnsteuerabzugs durch korrekte Berechnung und deren fristgerechte Lohnsteuer-Anmeldung und Abführung an das zuständige Finanzamt verpflichtet. Lohnsteuer-Anmeldungen erfolgen seit 2005 ausschließlich auf elektronischem Wege. Der Anmeldezeitraum für die Lohnsteuer ist in der Regel der Kalendermonat. Spätestens am zehnten Tag nach Ablauf eines jeden Lohnsteuer-Anmeldezeitraums hat der Arbeitgeber die Anmeldung und Abführung der Lohnsteuer zu bewirken. Sollte die abzuführende Steuer mehr als 1.000 EUR und weniger als 4.000 EUR betragen, verlängert sich der Zeitraum auf das Quartal. Bei weniger als 1.000 EUR abzuführender Lohnsteuer gilt das Kalenderjahr als Anmeldezeitraum. Der Arbeitgeber wird zudem aufgefordert, für jeden Arbeitnehmer ein Lohnkonto zu führen und Lohnsteuerbescheinigungen für seine Arbeitnehmer jährlich oder spätestens zum Beschäftigungsende auszustellen. Darüber hinaus muss der Arbeitgeber regelmäßigen Lohnsteuer-Außenprüfungen dulden und besitzt dabei eine Mitwirkungspflicht.

Auch der Arbeitnehmer hat seine Pflichten zu erfüllen. Er hat dafür Sorge zu tragen, dass, folgende zur ELStAMAnmeldung erforderlichen, persönlichen Lohnsteuerabzugsmerkmale bei Beginn eines Beschäftigungsverhältnisses dem Arbeitgeber vorlegt werden:

 - Geburtsdatum
 - Steueridentifikationsnummer
 - Information ob ein Haupt- oder ein Nebenarbeitsverhältnis vorliegt
 - ob und in welcher Höhe ein nach § 39a Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 festgestellter Freibetrag abgerufen werden soll.

Der Arbeitnehmer muss steuerrelevante Änderungen bei seinem Finanzamt rechtzeitig anzeigen. Änderungen werden in der ELStAM-Datenbank gespeichert und vom Arbeitgeber monatlich abgerufen. Schuldhafte Versäumnisse des Arbeitnehmers können dabei zu Nachteilen bei der Lohnsteuerberechnung führen.
Eine Haftung kann sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer treffen. Der Arbeitgeber haftet für die einzubehaltende/abzuführende, für Unrecht erstattete und für fehlerbehaftete Lohnsteuer. In Fällen der Arbeitnehmerüberlassung kann der Arbeitgeber als Entleiher unter bestimmten Bedingungen für die Lohnsteuerabführung der geliehenen Arbeitnehmer gemäß § 42d EStG in Anspruch genommen werden.
Entstehung und Abzugsverfahren Die Lohnsteuer wird als Vorauszahlung des Arbeitnehmers auf seine Jahreseinkommenssteuer unmittelbar an der Einkommensquelle - also beim direkten Bezug von Arbeitslohn durch Abzug fällig. Damit ist die Lohnsteuer eine vorgelagerte Abzugssteuer, die immer dann erhoben wird, wenn ein Anspruch auf laufenden Arbeitslohn bzw. Bezüge jeglicher Vergütungsart entsteht und im jeweiligen Zeitpunkt dem Arbeitnehmer zufließt (§ 38 Abs. 2 Satz 2 EStG). Die Höhe der Lohnsteuer bemisst sich nach den persönlichen Lohnsteuerabzugsmerkmalen des Arbeitnehmers (zusammengefasst in ELStAM). Darin enthalten ist die Steuerklasse, die auf einem sechsstufigen System fußt. Maßgeblich für die Zuordnung der Steuerklasse ist unter anderem der Familienstand des Arbeitnehmers. Die Lohnsteuerabzugsmerkmale weisen zudem die persönliche Steueridentifikationsnummer, Konfession sowie Frei-, Hinzurechnungs- und Entlastungsbeträge aus. Am Ende eines Kalenderjahres ist der Arbeitgeber verpflichtet, dem Arbeitnehmer eine Lohnsteuerbescheinigung auszustellen, in der alle einbehaltenen Steuern (Lohnsteuer und Kirchensteuer) sowie weitere Abzüge, Leistungen und Beitragsanteile (Solidaritätszuschlag, Kurzarbeitergeld, Anteile zu gesetzlicher Sozialversicherung etc.) ausgewiesen werden. Diese Bescheinigung wird als jährlicher Einkommensnachweis auch für die Einkommensteuererklärung benötigt, über die auch der Lohnsteuer-Jahresausgleich vorgenommen wird. Zu viel gezahlte Steuern können damit vom Finanzamt zurückgefordert werden.

Höhe und Grundfreibetrag

Seit dem Jahr 2013 werden die persönlichen Lohnsteuerabzugsmerkmale (ELStAM) elektronisch aus einer zentralen Datei vom Arbeitgeber abgerufen. Hierbei werden auch mögliche Frei- oder Hinzurechnungsbeträge berücksichtigt, die in den ELStAM des Arbeitnehmers vermerkt sein müssen. Der wichtigste Freibetrag ist der Grundfreibetrag. Er dient der Absicherung eines Existenzminimums. Bis zur Höhe des Grundfreibetrags. Nur Einkommen, das diesen Betrag übersteigt, wird versteuert, nicht also der Gesamtbetrag. Jahr Grundfreibetrag für Ledige Grundfreibetrag für gemeinsame Veranlagung

2015 8.472,00 EUR 19.944,00 EUR

2014 8.354,00 EUR 16.708,00 EUR
2013 8.130,00 EUR 16.260,00 EUR
2012 8.004,00 EUR 16.008,00 EUR
2011 8.004,00 EUR 16.008,00 EUR
2010 8.004,00 EUR 16.008,00 EUR

Durchführung in der Lohnabrechnung

Sobald die Höhen des laufenden Arbeitslohns bzw. der Bezüge festgestellt sind, wird dieser Betrag den persönlichen Lohnsteuerabzugsmerkmalen (ELStAM) des Arbeitnehmers gegenüber gestellt. Dabei vermindern oder erhöhen mögliche Freibeträge oder Hinzurechnungsbeträge den steuerpflichtigen Arbeitslohn, von diesem dann ggfs. auch noch Versorgungsfreibeträge und Altersentlastungsbeträge abgezogen werden. Es folgt eine Hochrechnung des Arbeitslohns auf einen Jahresarbeitslohn, der, nach Berücksichtigung von Pauschbeträgen anhand der Steuerklassen, den zu versteuernden Jahresbetrag ergibt, auf den der Einkommenssteuertarif (§ 32a EStG) angewendet wird. Neben dem individuellen Einkommenssteuertarif finden je nach Lohn-/Zuwendungsart weitere Besteuerungsregelungen Anwendung. So lässt sich auf bestimmte Zuschüsse (z.B. Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte oder Erholungsbeihilfen) auch Pauschalsteuer (hier: § 40 Abs. 2 EStG) erheben, die in der Regel vom Arbeitgeber getragen werden. Regelmäßig wiederkehrende Zahlungen werden auch als laufende Bezüge bezeichnet, Einmalzahlungen gelten als sog. „Sonstige Bezüge“ wie beispielsweise Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld. Sonstige Bezüge unterliegen einer gesonderten Besteuerung. Dabei wird die Differenz zwischen der Lohnsteuer aus dem voraussichtlichen Jahresarbeitslohn ohne Einbeziehung der sonstigen Bezüge und des voraussichtlichen Jahresarbeitslohns unter Berücksichtigung der sonstigen Bezüge festgestellt. Wenn beide Berechnungsmethoden alle weiteren relevanten Frei- und Hinzurechnungsbeträge beachtet haben, entsteht die einzubehaltende Lohnsteuer auf sonstige Bezüge.