Die Steuerklassen, umgangssprachlich auch Lohnsteuerklassen genannt, zählen zu den persönlichen Lohnsteuerabzugsmerkmalen des Arbeitnehmers und werden im ELStAM-Verfahren durch die Datenbank der Finanzverwaltung bereitgestellt und vom Arbeitgeber elektronisch abgerufen.

Steuerklassen werden zur Durchführung des Lohnsteuerabzugs von unbeschränkt einkommensteuerpflichtigen Arbeitnehmern gemäß § 38b Abs. 1 EStG herangezogen. Sie gelten als wichtigstes Kriterium zur Berechnung der Lohnsteuerschuld, die sich anhand der Zuordnung aus den Lohnsteuertabellen, eines Faktorverfahrens bei Ehegatten sowie weiterer individueller Merkmale (Konfessionszugehörigkeit; Frei-, Hinzurechnungs- und Entlastungsbeträge) ergibt.

Insgesamt existieren sechs verschiedene Steuerklassen nebeneinander. Die Wahl aus einer der Steuerklassen orientiert sich an den persönlichen und familiären Verhältnissen des Arbeitnehmers.

Grundsätzlich gilt:   

Steuerklasse I für Arbeitnehmer, die ledig, verwitwet, geschieden, dauernd getrennt (auch verheiratet aber Ehegatte im Ausland) bzw. in eingetragener Lebenspartnerschaft lebend sind und bei denen die Voraussetzungen für die Steuerklasse III oder IV nicht erfüllt sind.
Steuerklasse II für Arbeitnehmer, die unter Steuerklasse I eingestuft sind, bei denen jedoch der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende (§ 24b EStG) zu berücksichtigen ist.
Steuerklasse III für Arbeitnehmer: die verheiratet sind, wenn beide Ehegatten unbeschränkt einkommensteuerpflichtig
sind und nicht dauernd getrennt leben und
- der Ehegatte des Arbeitnehmers keinen Arbeitslohn bezieht oder
- der Ehegatte des Arbeitnehmers auf Antrag beider Ehegatten in die
Steuerklasse V eingereiht wird,
die verwitwet sind, wenn sie und ihr verstorbener Ehegatte im Zeitpunkt seines
Todes unbeschränkt einkommensteuerpflichtig waren und in diesem Zeitpunkt nicht
dauernd getrennt gelebt haben, für das Kalenderjahr, das dem Kalenderjahr folgt, in
dem der Ehegatte verstorben ist,
deren Ehe aufgelöst worden ist, wenn
- im Kalenderjahr der Auflösung der Ehe beide Ehegatten unbeschränkt
einkommensteuerpflichtig waren und nicht dauernd getrennt gelebt haben und
- der andere Ehegatte wieder geheiratet hat, von seinem neuen Ehegatten nicht
dauernd getrennt lebt und er und sein neuer Ehegatte unbeschränkt
einkommensteuerpflichtig sind für das Kalenderjahr, in dem die Ehe aufgelöst
worden ist.
Steuerklasse IV für Arbeitnehmer, die verheiratet sind, wenn beide Ehegatten unbeschränkt
einkommensteuerpflichtig sind und nicht dauernd getrennt leben und der Ehegatte
ebenfalls Arbeitslohn bezieht. Ehegatten, die in diese Steuerklasse gehören und bisher
die Steuerklassenkombination III/V gewählt hatten, können bei ihrem Finanzamt die
Steuerkasse IV und die Ermittlung eines Faktors (Verhältnis der gemeinsamen
Einkommensteuer und der Einkommensteuer bei Steuerklasse IV) für beide Ehegatten
beantragen. Damit soll eine höhere Besteuerung des Ehegatten der weniger verdient,
vermieden werden.
Steuerklasse V für Arbeitnehmer, deren Ehegatte die Steuerklasse III gewählt hat.
Steuerklasse VI für Arbeitnehmer, die nebeneinander von mehreren Arbeitgebern Arbeitslohn beziehen,
für die Einbehaltung der Lohnsteuer vom Arbeitslohn aus dem zweiten und einem
weiteren Dienstverhältnis sowie in den Fällen des § 39c EStG.

 

Änderungen, wie die einer Heirat durch einen Arbeitnehmer werden durch das ELStAM-Verfahren von den Meldebehörden an die Datenbank der Finanzverwaltung gemeldet. Bei der Änderungsmitteilung der Heirat wird beiden Ehegatten jeweils die Steuerklasse IV automatisch zugeteilt. Der Arbeitnehmer kann auf Antrag jedoch auch die Steuerklassenkombination III/V oder IV/IV mit Faktor (§ 39f EStG) wählen. Der Faktor ist jedes Jahr neu zu beantragen. Bei einer Verpartnerung ist aufgrund fehlender gesetzlicher Grundlagen zur Übermittlung der Daten von den Meldebehörden an die Finanzverwaltung derzeit leider noch keine automatische Vergabe der Steuerklasse IV möglich. Steuerklassen können beim zuständigen Finanzamt durch den Arbeitnehmer geändert werden. Ein Wechsel der Steuerklasse kann grundsätzlich nur einmal pro Veranlagungszeitraum/Kalenderjahr erfolgen und muss eine Änderung der Lebensumstände voraussetzen. Eine Pflicht des Arbeitnehmers, die Steuerklasse durch das Finanzamt ändern zu lassen besteht dann, wenn die Eintragungen von den tatsächlichen Lebensumständen abweichen, weil die Ehegatten beispielsweise dauernd getrennt leben und somit die Voraussetzungen für die Steuerklasse III wegfallen oder weil die Voraussetzungen für die Berücksichtigung des Entlastungsbetrags für Alleinerziehende im Veranlagungszeitraum entfällt und somit die Steuerklasse II nicht länger bescheinigt werden kann. Weitere Änderungsgründe liegen im Tod des Ehepartners, der Trennung oder Scheidung vom Ehepartner, der Aufnahme eines neuen Arbeitsverhältnisses nach Arbeitslosigkeit oder wenn kein steuerpflichtiges Einkommen erzielt wird.