Die Sozialkasse des Baugewerbes ist als gemeinsame Einrichtung der Tarifvertragsparteien weder eine "Sozialversicherungskasse" noch eine staatliche Institution, sondern schlicht eine Versicherung. Die Befugnisse der Soka-Bau gehen daher nicht weiter als bei jedem anderen privaten Unternehmen. Will die Soka-Bau zum Beispiel einen Betrieb besichtigen oder Lohnunterlagen und Ausgangsrechnungen prüfen ist dafür zwingend die ausdrückliche Erlaubnis des Arbeitgebers erforderlich. Nur dann, wenn für das Unternehmen die Tarife des Baugewerbes gelten, bestehen Auskunfts- und Beitragspflichten zur Soka-Bau.

Erhält die Soka-Bau von ihren Außendienstmitarbeitern, (ehemaligen) Mitarbeitern, dem Zoll oder einfach über den Internetauftritt Kenntnis von der Existenz eines vermeintlichen Baubetriebes schickt die Soka Bau diesem Unternehmen ein Stammdatenblatt zu und kündigt an, ein Beitragskonto zu eröffnen. In diesem Fall sollte das Unternehmen handeln.

Ob das Unternehmen unter den betrieblichen Geltungsbereich des für allgemeinverbindlich erklärten Tarifvertrages über das Sozialkassenverfahren fällt ist gerade für Mischbetriebe oft nicht leicht festzustellen. Auch wenn keine der im Tarifvertrag ausdrücklich genannten 42 Gewerke als einschlägig erscheinen kann das Unternehmen einen Baubetrieb führen, wenn die ausgeführten Arbeiten etwa der  Erstellung,  Instandsetzung,  Instandhaltung,  Änderung  oder  Beseitigung  von Bauwerken dienen.

Die Rechtsprechung hat zudem weitere Kriterien wie Neben- Zusammenhangs- und „Sowohl-als-auch“-Tätigkeiten entwickelt, die eine große Erfahrung bei der Beurteilung der Baueigenschaft eines Mischbetriebes erfordern. So leuchtet es auf dem ersten Blick nicht in, dass Betriebe, die etwa Leitplanken auf Autobahnen errichten oder Isolierungen an Stahlrohren anbringen Soka-pflichtig sein sollen.

Der Tarifvertrag sieht für den betrieblichen Geltungsbereich aber auch Rückausnahmen vor, die unter bestimmten Umständen ausnahmsweise wiederum nicht gelten sollen. Zudem ist die Allgemeinverbindlicherklärung mit der Einschränkung ergangen, dass Innungsbetriebe, die baufremde Tarifsysteme anwenden, unter Umständen vom Geltungsbereich des Sozialkassentarifvertrages nicht erfasst werden. Doch auch hier gilt die Befreiung von der Soka-Pflicht nicht in jedem Fall und nicht unter allen Umständen. Denn nicht alle Verbände von baunahen Gewerken haben Vereinbarungen mit den Tarifvertragsparteien des Baugewerbes geschlossen.

Überdies ist nicht jede Mitgliedschaft in einer Innung ratsam. Die Anwendung der spezielleren Tarifverträge ist oft nicht günstiger. So sollte jeder GaLa-Baubetrieb die finanziellen Auswirkungen einer Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband sorgfältig prüfen.

Alle Vorzüge und Nachteile gehören auf den Prüfstand. So dürfte jedes Abbruchunternehmen allein wegen der erforderlichen Sicherheitsleistungen die Mitgliedschaft im Abbruchverband anstreben.

Schließlich ist nicht in jedem Fall die alleinige Anwendung des spezielleren Tarifvertrages ausreichend. Oft wird gefordert, mindestens 20% der Kerntätigkeit dieses spezielleren Gewerkes nachzuweisen und den Einsatz qualifizierten Aufsichtspersonals (Meister, Geselle) sicherzustellen.

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